Seligsprechung 1881
Odo von Châtillon, geboren um 1035 in Nordostfrankreich, studierte in Reims bei Bruno dem Kartäuser (Heiliger) und wurde dort 1055 Kanoniker und Archidiakon. Im Jahr 1067 trat er in das Benediktiner-Reformkloster Cluny in Burgund ein, wo man ihn bereits 1070 zum Prior wählte. 1078 von Papst Gregor VII. (1073–85; Heiliger) zum Kardinalbischof von Ostia erhoben, diente er diesem 1084/85 auf dem Höhepunkt des Investiturstreits mit Kaiser Heinrich IV. als Legat in Deutschland. Nach dem Tod von Gregors Nachfolger, Victor III. (9. Mai 1087 bis 16. September 1087; Seliger), wurde Odo am 12. März 1088 im normannischen Terracina bei Gaeta zum Papst gewählt und nahm den Namen Urban II. an. Er führte den Kampf gegen Priesterehe, Simonie (Ämterkauf) und Laieninvestitur weiter, erreichte jedoch durch eine versöhnlichere Position eine Abschwächung des Konflikts, d. h. er konnte das Papstschisma (Gegenpapst Clemens III.) weitgehend überwinden und dem »gregorianischen« Reformpapsttum zum Durchbruch verhelfen. Während seiner ein Jahr dauernden Frankreichreise rief Urban II. 1095 auf der Synode von Clermont auf Bitten des byzantinischen Kaisers Alexios I. Komnenos (1081–1118) zum 1. Kreuzzug (1095–99) ins Heilige Land auf, um der seit 1054 von Rom getrennten Ostkirche gegen die moslemischen Seldschuken beizustehen, und leitete damit die Kreuzzugsbewegung ein. Wahrscheinlich hegte er die Hoffnung auf Überwindung des Morgenländischen Schismas, da er bereits seit seinerWeihe zum Papst eine eifrige Unionspolitik betrieb. Papst Urban II. starb am 29. Juli 1099, zwei Wochen nachdem dem Kreuzritterheer nach 39-tägiger Belagerung die Einnahme Jerusalems gelungen war, und hatte Pascalis II. zum Nachfolger (bis Januar 1118).
Darstellung: in päpstlichen Gewändern
Attribute: Tiara, Kreuzstab (mit drei Querbalken)

Quelle: Herder-Verlag
